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Tourenbericht

Dolomiten Sahneschnitten

War der verheißungsvolle Titel dieser Ausfahrt und wir sollten nicht in unseren Erwartungen enttäuscht werden.

Titel

 

 

 

 

 

 

Wie üblich ging es zu nachtschlafender Zeit am Sportinstitut los in Richtung San Vito di Cadore in der Gegend von Cortina d’Ampezzo. Unsere beiden guides Bärbel Blaum und Roland Schmid hatten die Tour bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und dank Rolands ausgezeichneter Ortskenntnis war die Wegfindung in der gesamten Zeit nie ein Problem.

 

19Sept4 Vom Talort bis zur Hütte San Marco di Cadore waren die 800 Höhenmeter in gut 2 Stunden geschafft, so daß wir bei der Hüttenwirtin Tanja unseren wohlverdienten Kaffee mit selbstgemachtem Kuchen genießen durften.

 

Der Opa der Hütte sägte in der ein paar vom Sturm gefällte Bäume klein. Es gab dann sogar Leute mit Energie-Überschuß, die dem Hüttenwirt unbedingt beim Heraufschleppen von halben Baumstämmen zwecks Verfeuerung helfen wollten.

 

Das Abendessen war herausragend gut und wurde von der Oma auf der Hütte zubereitet. Allein 5 verschiedene Varianten von Spaghetti wurden uns als Vorspeise angeboten.

 

Am nächsten Morgen brachen wir bei phantastisch gutem Wetter zu unserem ersten Gipfel auf. Das Ziel war die Punta Sorapiss mit ihren stolzen 3205m, die uns gut 3 h Marsch bis zum Einstieg und 2,5 Stunden Kletterei in luftiger Umgebung bis zum Gipfel abverlangten.

 

20Sept24 Wegbeschreibung laut Buch unterschied sich von der Empfehlung der Wirtsleute: zunächst die linke Gabelung nehmen und dann auf dem langen Querband im oberen Felsdrittel zu traversieren.

 

Dank zahlreicher Wegmarkierungen waren die Kamine und Querbänder bald überwunden und wir konnten unseren ersten Erfolg am Gipfel genießen. Ein 360° Panorama-Blick ließ die Strapazen schnell vergessen und Roland zeigte uns die großen Gipfel der Umgebung wie Pelmo, Antelao, Marmolada, Tofane und wir hätten sicher noch länger gelauscht, wenn uns nicht der kühle Herbstwind vom Gipfel vertrieben hätte. Beim Abstieg stellten sich die Kamine als durchaus anspruchsvoll heraus, was Bärbel aber zum Glück durch das Einrichten einer Abseilpiste weitestgehend entschärfen konnte. Der lose Schotter, der uns beim Aufstieg so viel Mühe machte, ließ sich jetzt zum Abfahren nutzen.

 

Zurück im San Marco gingen die einen gleich zu Kaffee und Kuchen über während die andern eine legendäre Solardusche unter freiem Himmel mit Blick auf die Bergkulisse in Anspruch nahmen. Einfach genial.

 

19Sept15

Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen und Abstieg zu den Autos. Unser Plan A Antelao wurde wegen eines zu frühen Wintereinbruchs durch einen Plan B Monte Tamér Grande ersetzt. Dafür war ein Standortwechsel ins Rifugio C.Tomè am Passo Duran notwendig.

 

Die Höhe mit 2547m angegeben, hörte sich zunächst wie ein vergleichsweise einfaches Etappenziel an. Der weitere Verlauf lehrte uns aber eher, keinen Gegner zu unterschätzen. Ganz idyllisch war der Beginn durch ein Kiefernwäldchen mit vielen Blumen und Bächen. Doch mit zunehmender Höhe änderte sich der Charakter des Weges in ein unwirtliches Steinschlag Gelände, in eine Schneise mündend, in der jeder Fehltritt fatal enden würde. Noch eine letzte Hürde über ein Fixseil, das seinen Namen nicht verdiente und dann war der Gipfel erreicht.

 

21Sept46 21Sept48 Beim Abstieg wurde diese prekäre Kletterstelle hervorragend und souverän von Bärbel und Roland durch einrichten eines eigenen Fixseils mit Bremsknoten entschärft.

 

Also konnten wir bald unten bei einer Madonna in der Berggrotte unsere Dank-Gebete loswerden um dann ganz unten unseren 2. Berg mit einem Bierchen zu feiern.

 

Sonntag morgens Aufbruch zur Casera della Grava (1627m) um unseren dritten Gipfel den berühmten Civetta zu erstürmen. Zustieg zu dem weltberühmten Klettersteig Alleghesi in ca. 2,5 h über die Forcella de la Grava zu erreichen. Heute vertrauten wir unsere nicht mehr ganz frischen Knochen und Muskeln dem Stahlseil an.

22Sept40 22Sept52

Also Gurte und Klettersteigset angelegt und in wechselndem Terrain dem Gipfel mit 3220 m in weniger als 4 Stunden entgegen. Sehr abwechslungsreich über Leitern, Kamine und Bänder ständig mit etwas bangem Blick zum Himmel ob wir den Gipfel vor dem angekündigten Wetter-Umschwung erreichen würden. Das hatten unsere guides natürlich vorher genauestens über diverse Wetter-Apps abgecheckt.

 

Der Himmel wurde zunehmend düsterer und wir brachen bald zu unserem Nachtlager der Rifugio Torrani auf. Eine urigere Hütte habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen: Platz für 15 Leute, bestehend aus einer Küche einem Wohn-/Schlafraum und einem Bad. Total minimalistisch aber saugemütlich nicht zuletzt wegen des prasselnden Feuers im Kamin-Ofen.

 

23Sept12

An den wichtigen Sachen sollte es nicht fehlen: Kaffee aus der Siebträger-Maschine, Bier aus der Dose, Wein aus der Karaffe gekrönt durch 70er Jahre Hardrock, der aus der Küche tönte. Die Stimmung war ausgelassen und fröhlich (kein weiterer Kommentar!)

Da unsere Wetter-Fee Bärbel einsetzenden Regen im Laufe des Vormittags vorhersagte brechen wir bald schweren Herzens und mit schweren Beinen in Richtung Tal auf (es sollen sogar von schweren Köpfen berichtet worden sein).

23Sept17

Beim Abstieg musste man noch manchmal beherzt am Stahlseil zupacken doch der richtige Regen setzte glücklicherweise erst beim Einsteigen in die Autos ein. Das nenn ich Schwein gehabt oder geniales timing von Leuten, die Ihr Handwerk verstehen.

Bei der Abschluss-Besprechung war man sich einig: Perfekt gelungene Ausfahrt in einer homogenen Gruppe, gutes Wetter, geniale Landschaft und mit Sicherheit ein unvergessliches Erlebnis.

 

 
 
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