Tourenbericht

2. Auflage Klettern und Wandern in den Nordvogesen

Nach dem großen Erfolg dieser Idee in der fränkischen Schweiz 2022, Wandern und Klettern in einer Ausfahrt miteinander zu verbinden, kam Wolfgang Albers auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, ihn bei der diesjährigen Ausfahrt zu unterstützen.
So kam es, dass wir am Freitagmorgen des 29.09.2023 gen Westen fuhren, um über dem Rhein im Elsass unser erstes Tagesziel zu erreichen, nämlich den Campingplatz Domaine du Heidenkopf in Niederbronn-les-Bains (Bad Niederbronn). Allein schon dieser Mix der Wörter und Bezeichnungen aus deutsch und französisch, lässt auf die wechselvolle Geschichte dieser Region im Laufe der Jahrhunderte schließen.
Die verschiedenen Fahrgemeinschaften trafen allesamt um die Mittagszeit am Campingplatz ein. Der Platz liegt oberhalb des Ortes am Waldrand und ist in schönen Terrassen an den Hang angelegt.
Wir bezogen die Quartiere und richten uns für die nächsten beiden Tage ein. Sehr verschieden waren die Nachtlager. Die meisten schliefen in voll ausgestatteten, festen Kugelzelten. Andere zogen es vor in ihren Fahrzeugen zu schlafen. Und wieder andere schliefen ganz klassisch im Zelt.
Nach einer kurzen Besprechung schlenderten wir mit dem Kletterzeug leicht ansteigend in zwanzig Minuten hinauf zum Namensgeber des Campingplatzes, dem Heidenkopf. Dieser Fels ist nicht natürlichen Ursprungs, sondern ein ehemaliger Steinbruch. Das war der perfekte Einstieg (im wahrsten Sinne des Wortes) für diesen Nachmittag und die kommenden beiden Tage. Unten am Felsen war es großflächig eben und wir konnten uns wunderbar ausbreiten. Außer uns waren noch ein paar Belgier da, die gerade mit den leichteren Routen fertig waren, so dass wir, als hätten wir uns abgesprochen, gleich in diese einsteigen konnten.
Der linke Wandteil ist gestuft und man kann nach jedem senkrechten Aufschwung wieder ganz gut stehen und sich von den teils kniffligen Zügen erholen. Das Kletterkönnen innerhalb der Gruppe war sehr unterschiedlich. Aber alle kamen auf ihre Kosten, und so wanderten wir am Abend zufrieden wieder hinunter auf den Platz.
Dann begann das große Kochen. Wir hatten bei der Vorbesprechung festgelegt, wer welche Lebensmittel mitbringen soll. Vor dem Kochen war zuerst das große Schnippeln des Gemüses angesagt. Das wurde zentral bei uns im „WoMo Viertel“ erledigt. Dann wurden die verschiedenen Gemüsesorten über den ganzen Platz zu den Kochstellen verteilt. Ein geordnetes Chaos, das aber hervorragend funktionierte. Denn nachdem alle Töpfe auf dem zentralen Esstisch standen, genossen wir ein sehr gutes und gesundes, vielseitiges Essen.
Die Kälte der Nacht Ende September und auch die Müdigkeit des langen und erlebnisreichen Tages ließ dann alle recht schnell in ihre Betten kriechen.
Ich war froh den warmen Schlafsack mitgenommen zu haben. So schlief ich, kuschelig warm eingepackt, tief bis zum nächsten Morgen durch.

Samstag, 30.09.2023

Wir trafen uns um 8.00 Uhr bei uns im „WoMo Viertel“ zum Frühstück. Die Sonne blinzelte schon vorsichtig ums Eck, sodass es einigermaßen erträglich war auf den klammen Klappstühlen zu sitzen. Frischer, dampfender und heißer Kaffee ließen die Lebensgeister schnell wieder erwachen. Frische Croissants und Baguettes taten ihr Übriges. Für heute hatten wir uns eine ausgedehnte Wandertour ausgesucht. Der höchste Berg der Nordvogesen sollte es sein. Das ist fast unumgänglich für eine Alpenvereinstruppe! Das dieser Berg aber gerade mal 581 m hoch ist, dämpfte schon etwas den alpinen Stolz. Selbst, die höchste Erhebung im heimischen Schönbuch, der Bromberg, ist mit seinen 582 m einen ganzen Meter höher!

Der Ausgangspunkt ist bei 190 m und so sind es doch 400 Höhenmeter im Aufstieg und somit ist das alpine Gewissen wieder etwas besänftigt. Das Schöne war, dass wir wieder direkt vom Platz loslaufen konnten, ohne zuerst das Auto bewegen zu müssen.

So marschierten wir mit leichtem Gepäck zunächst leicht bergab hinunter zur weithin bekannten Mineralwasserfabrik der Region. Dort war der eigentliche Einstieg der Tour zum „Grand Wintersberg“. Ein breiter Forstweg brachte uns mäßig steil nach oben. Dann wurdeaus dem Weg ein Pfad der uns durch üppigen Laubwald immer steiler werdend nach oben brachte.

Buchen und Eichen dominierten den Bergwald, aber auch einige Esskastanienbäume und Kiefern waren zu sehen. Der Pfad schlängelte sich in engen Serpentinen nach oben, bis wirdie ebene Gipfelkuppe mit Aussichtsturm erreichten. Oben auf dem 25 m hohen Turm wurde dann doch noch die 600 m Höhenlinie geknackt.

Der Turm war hoch genug, um über die Baumwipfel sehen zu können. Die Sicht war beeindruckend. Vor allem der Blick gen Norden auf das Meer der bewaldeten Bergspitzen des Pfälzer Waldes war grandios.

Nach einer Vesper- und Mittagspause unten am Sockel des Turmes stiegen wir über einen Gratrücken und auf schmalen Pfaden wieder hinunter nach Riesthal. Auf der gegenüberliegenden Seite wartete der zweite Anstieg. Doch um dorthin zu kommen, mussten wir zunächst einen Kilometer Flussabwärts laufen, um über die einzige Brücke auf die andere Talseite zu gelangen. Flach ging es wieder talaufwärts am Fluss entlang, bis uns dann wieder steile Pfade die Bergflanke nach oben brachten. Oben am breiten Gratrücken des Col de l‘ Ungerthal machten wir nochmals eine Pause. Nach einer kurzen Besprechung teilten wir uns in zwei Gruppen auf.
Die einen nahmen nochmal einen weiteren Aufstieg zum Gipfel des Wasenköpfel, 526 m auf sich. Dort oben stand genau im gleichen Baustil ein Turm, wie gegenüber auf dem Wintersberg. Nur dass dieser niedriger war und nicht über die Baumspitzen reichte. Somit war die Weitsicht oben auf der Plattform gleich Null.
Die anderen marschierten auf ebenem Wege bis zum Abstiegspfad, der nach Niederbronn hinunterführt. Vorbei am Graebelsbrunnen schmiegte sich der Pfad in einer angenehmen, gleichbleibenden Neigung perfekt angelegt in die Bergflanke ein, und brachte uns bequem hinab in den Talgrund.

​Dort teilte sich die Gruppe abermals. Einige wollten noch einen kleinen Stadtbummel machen. Der Rest strebte direkt dem Campingplatz zu. Heute Abend mussten wir nicht kochen, denn die Betreiber des Platzes luden zum Flammkuchenessen ein. Der Andrang war groß, es schien, als ob alle Gäste des Platzes versammelt waren. Weil nur zwei Öfen zur Verfügung standen, gab es etwas längere Wartezeiten. Umso mehr genossen wir dieses typische Elsässer Nationalgericht, zusätzlich mit eigenem, frischem Salat und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Da wir am nächsten Morgen zeitig aufstehen wollten, lagen wir schon bald wieder in den Betten.
Immerhin hatten wir heute 20 km und 800 Hm bewältigt.

Sonntag, 01.10.2023

Heute war das Frühstück schon um 7.30 Uhr angesetzt. Nachdem wir (im wahrsten Wortsinn) unsere Zelte und Lager abgebrochen hatten, marschierten wir gegen 9.30 Uhr zu dem uns schon bekannten Heidenkopf hoch. Es war herrlich, nicht zuerst ins Auto steigen zu müssen, um zu einem anderen Felsen zu fahren.
Dort gab es noch ein paar Routen, die wir am Freitag nicht gemacht hatten und die für heute eine ideale Steigerung waren. Nach einer kurzen Einweisung zum Umbauen am Umlenker, gab es kein Halten mehr. Heute trauten sich sogar einige zum Vorsteigen.
In der rechten Route, unserer vier eingehängten Toperopes gab es oben eine griffarme Platte als Schlüsselstelle. Ganz links zog eine markante Rissverschneidung nach oben, wo unter dem Umlenker ein hübscher kleiner Überhang wartete, der geschickt überwunden werden wollte. Das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt, denn wir hatten den Felsen fast die ganze Zeit für uns allein.
Um 14.00 Uhr war das Kletterende angesetzt und so saßen wir eine halbe Stunde später zur Abschlussbesprechung am Campingplatz gemütlich in der Sonne. Dort waren sich alle einig, dass es nächstes Jahr dieses Format wieder geben muss! Mögliche geeignete Ziele, wo es schöne Wandermöglichkeiten und passende Felsen gibt, sind schon in der engeren Wahl. Zufrieden begaben wir uns auf die Rückreise durch die sonnige Rheinebene und kamen am frühen Abend wohlbehalten wieder zuhause an.

Roland Blessing