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05.06.2026

Könige im Wilden Kaiser – Buchrezension

Peter Brandstätter & Nicholas Mailänder: Könige im Wilden Kaiser. Die Edelweißgilde Kitzbühel zwischen Ständestaat, Hakenkreuz und Gipfelkreuz. Tyrolia Verlag Innsbruck (2026), 25 €

Könige im Wilden Kaiser Titel

Alpingeschichte ist auch Zeitgeschichte. Nach 1945 wollten dies viele im Alpenverein nicht wahrhaben. Im Jahr 1962 behauptete Hans Kienzl im Beitrag ‚Hundert Jahre Alpenverein in Österreich‘: „Weil sich der Verein streng auf seine alpinen Aufgaben beschränkte und alle Ziele politischer Natur ausschloss, war auch das Verhältnis zur staatlichen Obrigkeit immer gut“. Was da alles unter den Teppich gekehrt wurde, wurde erst allmählich bewusst.

Viel zur Aufklärung und Aufarbeitung hat Nicholas Mailänder beigetragen, der in seiner Studentenzeit in der 1970-er Jahren in Tübingen im Ammerhof wohnte und sich einen Namen als exzellenter Kletterer machte. 2006 erschien sein grundlegendes Werk „Im Zeichen des Edelweiss. Die Geschichte Münchens als Bergsteigerstadt“ – Interessierte können es gerne von mir ausleihen.

Sein neues Werk "Könige im Wilden Kaiser" zeigt, dass auch in kleineren Städtchen Klettern und Politik nicht zu trennen ist. Das Buch erschien zum 100-jährigen Jubiläum der „Edelweißgilde Kitzbühel“. Die Vereinsgründung 1926 erfolgte in Abgrenzung und Konkurrenz zur örtlichen Sektion des ÖAV. Ziel war es, „nur alpin tüchtige Bergsteiger“ im Verein zu haben und so war jährlich ein Fahrtenbericht über durchgeführte Kletter- und Skitouren vorzulegen. Schon nach wenigen Jahren überlagerten die politischen Auseinandersetzungen das Geschehen am Berg. Anhänger der Nazis standen gegen die der Austro-Faschisten Dollfuß und Schuschnigg, zunächst wurden die NSDAP-Mitglieder aus der Gilde ausgeschlossen. Wo der ÖAV damals stand, wird daran deutlich, dass das ÖAV-Edelweißemblem in der Zeit des österreichischen NSDAP-Verbots als Tarnzeichen für das illegale Hakenkreuz galt.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das NS-Reich 1938 hatte sich die Lage umgekehrt: Nun wurden maßgebliche Gilde-Mitglieder verhaftet, andere mussten in den Krieg. Erst zu Beginn der 1950er Jahre kamen die politisch gespaltenen Kletterer wieder zusammen; bestimmendes Erlebnis war die Beerdigung des Kaiser-Urgesteins Much Wieser, dem „Koasa-Much“.

In diesen lokal- wie zeitgeschichtlichen Rahmen eingebettet sind Berichte großer Kaiser-Erstbegehungen, die auch heute noch Maßstab alpinen Kletterns sind, wie die Mauk-Westwand oder die Routen der Fleischbank-Südostwand, zahlreiche Fotos machen das Geschehen lebendig.

Zur Ergänzung sei auf Herbert Rosendorfer hingewiesen. Der 1934 in Bozen geborene Jurist und Schriftsteller verbrachte in der Kriegs- und Nachkriegszeit einige Jahre in Kitzbühel und beschreibt diesen Ort, seine Einwohner und deren Verwicklungen in die Zeitläufte mit viel Ironie in seinen Romanen „Eichkatzelried“ sowie „Vier Jahreszeiten im Yrwental“. 

Eichkatzelried

Text: Dietrich Kratsch