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Ein Zwischenbericht

HFSJ - Halbes Freiwilliges Soziales Jahr

Ein halbes Jahr bin ich nun in der Sektion Tübingen. Ein weiteres halbes habe ich noch vor mir. Ein passender Zeitpunkt also für eine kleine Zwischenbilanz: „Was macht denn der FSJ-ler eigentlich so?“

 

Wenn du auch Interesse an einem erlebnisreichen Jahr im FSJ hast, bewirb dich doch hier! Zur Zeit sind wir noch auf der Suche nach einem Nachfolger für mich.

 

Von der Sahara ins FSJ

So fing alles an: Nach meinem Abitur 2016 reiste ich mit einem Freund durch die Klettergebiete Europas und Marokkos. Meinen ursprünglichen Plan, danach direkt zu studieren, verwarf ich, als Bärbel Morawietz mir in einer Mail die neu geschaffene FSJ-Stelle schmackhaft machte.

 

Das FSJ beginnt - Der erste FSJ-ler beginnt

IMG-20171103-WA0005 So startete ich also im September 2017 meine Arbeit bei der Sektion Tübingen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits wieder zwei Monate in Deutschland von meiner Reise zurück und fühlte mich eigentlich auch wieder „daheim“. Gespannt und motiviert blickte ich auf das Jahr, das vor mir lag. Aber der Start war eine größere Herausforderung als gedacht. Ich musste feststellen, dass ich doch noch nicht so ganz in Deutschland angekommen war. Und nach einigen Monaten gelebter spanischer Lässigkeit wieder an einem Schreibtisch zu sitzen und Bürokratie zu betreiben, über deren Abschaffung man noch vor ein paar Monaten am Lagerfeuer philosophiert hatte, war auch gewöhnungsbedürftig. Alles in allem kostete mich der Start viel Kraft, bot dabei aber auch viele Chancen.

 

Da ich der erste FSJ-ler in der Sektion bin, hatte ich die Möglichkeit, die Stelle mitzugestalten. Meine beiden Ansprechpartner in der Geschäftsstelle, Bärbel und Matthias, hatten sich im Voraus viele Gedanken gemacht, welche Aufgaben von einem FSJ-ler übernommen werden können, doch ließen sie mir großen Gestaltungsspielraum, wie man sie sinnvoll in den Tagesablauf einbauen könnte. Weiterhin konnte ich mir Gruppen aussuchen, in denen ich mitwirken wollte, und auch die Arbeitszeit konnte ich flexibel gestalten. Wenn irgendwo der Schuh drückt, kann ich mich immer an Bärbel und Matthias wenden und wir suchen gemeinsam nach einer Lösung. Allgemein ermöglichen mir die beiden ein spannendes und lehrreiches Jahr.

 

Wie immer ist es deutlich anstrengender, neue Wege zu gehen, als in vorgegebene Fußstapfen zu treten. Doch am Ende zahlt es sich aus. Nach einiger Zeit des Ausprobierens hatten wir gemeinsam einen Alltag gefunden, der für uns alle gut funktioniert.

 

Der Alltag

Montags bin ich flexibel, je nachdem was ansteht. Sollte ich bspw. am Wochenende im Auftrag der Sektion unterwegs gewesen sein, so kann ich auch einfach mal ausschlafen.

 

Dienstags helfe ich Manne und Andi im B12 bei allem, was so ansteht. Hier bekomme ich einen tollen Einblick, was es bedeutet eine Kletterhalle zu führen. Denn in Wahrheit sieht der „Traumjob“ Hallenbetreiber etwas anders aus, als den ganzen Tag zu klettern und abends die Scheine zu zählen. Dazu gehört viel mehr, aber das macht das Ganze auch deutlich interessanter.

 

Mittwoch bis Freitagvormittag bin ich dann in der Geschäftsstelle und bekomme einen Einblick hinter die Kulissen der Vereinsarbeit. Die mittlerweile 11.000 Mitglieder wollen verwaltet werden! Dazu reicht ein einzelner Leitzordner nicht. Mitglieder aufnehmen (kaum ein Tag vergeht ohne neues Mitglied), Zuschüsse beantragen, Gruppenlisten aktuell halten, Gecko- und Gorillabeiträge abbuchen und Mitglieder beraten sind ein paar Beispiele meiner täglichen Arbeit. Einmal im Monat nehmen sich Bärbel oder Matthias Zeit, mich explizit in ein Thema der Vereinsarbeit einzuführen. Aktuell erklärt mir Matthias beispielsweise die Finanzen des Vereins mit allem was dazu gehört. Bilanzen, Steuersätze, Deckungsbeiträge,… Alles Begriffe, die ich in meinem Abitur munter auf Papier schrieb und jetzt der Praxis hautnah erlebe!

 

In der Geschäftsstelle habe ich auch immer die Möglichkeit, organisatorische Dinge für die Jugendarbeit zu erledigen und mich um Projekte zu kümmern. Zuletzt haben wir neue Klamotten für die Jugendgruppen organisiert, wie euch evtl. an neuen Gorilla-, Gecko-, Koala-, Gipfelstürmer- und Schwarzbärenaufdrucken auf T-Shirts im B12 aufgefallen ist.

 

Meine tägliche Gruppenarbeit

Arco Gerade die Arbeit mit unseren Jüngsten, den Geckos, im Alter von 7-12 Jahren bedeutete anfangs für mich eine Herausforderung und Eingewöhnung. Doch es hat sich gelohnt, denn wenn man es tut, kann man sich wieder von der kindlichen Einfachheit anstecken lassen.

 

Weiterhin leite ich mit anderen Trainern zusammen zwei Gorillagruppen. Jahrelang habe ich vom Engagement toller Trainer profitiert. Nun kann ich davon wieder etwas zurückgeben und anderen Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich im Klettersport und aber auch persönlich weiter zu entwickeln. Während in meiner damaligen Leistungsgruppe in Reutlingen das Klettern an sich die Motivation war, merke ich, wie vielen Jugendlichen es gut tut, einen Ort zu haben, an dem sie mit anderen zusammenkommen und so sein können, wie sie sind. Es motiviert mich gerade sehr zu sehen, wie sich die Jugendlichen in den Gruppen im letzten Jahr entwickelt haben.

 

Auch bei der neu strukturierten Wettkampfgruppe wirke ich mit. Auf Grund meiner eigenen Wettkampferfahrung konnte ich mich hier von Anfang an gut einbringen und einige neue Ideen einfließen lassen. Ich bin gespannt auf die anstehende Wettkampfsaison und wie sich unsere „Affenbande“ (ja, sie wissen, dass wir sie so nennen) entwickelt hat!

 

Das FSJ-Jahresprojekt

Zur Zeit kümmere ich mich um mein FSJ-Jahresprojekt. Hierbei versuche ich in Kooperation mit der Jugendhilfe der Martin-Bonhoeffer-Häuser eine Patenschaft mit geflüchteten Jugendlichen und Jugendlichen aus unserem Verein aufzubauen. Dazu veranstalte ich Anfang März einen Kennenlern-Nachmittag mit allen Beteiligten. Danach sollen Paten die Geflüchteten mit zum Bouldern und Klettern nehmen. Ich erhoffe mir, so den Geflüchteten eine tolle Möglichkeit zur Integration zu bieten. Denn wer einmal im B12 Bouldern war, weiß, dass man dort nicht lang alleine ist, sondern sehr gut neue Kontakte knüpfen kann. Ich denke, unser Sport bietet Menschen, die so viel Schlimmes erlebt haben und sich nun auch noch in einem neuen Land mit neuer Kultur zurecht finden müssen, eine Chance der Integration. Diese möchte ich ihnen geben.

 

Die Sahnehäubchen: von Arco über Haus Matschwitz nach Darmstadt

Matschwitz Neben dem Alltag gibt es immer wieder Sahnehäubchen. Gleich zu Beginn ging es in den Herbstferien mit einer Gorillagruppe nach Arco zum Mehrseillängenklettern. Im Dezember durfte ich bei unserer Eröffnungsfahrt auf Haus Matschwitz ein Jugendprogramm gestalten und zwei Tage mit einer tollen Gruppe im besten Powder rumdüsen. In den Faschingsferien werde ich den zweiten Lehrgang für meine Trainer C Sportklettern Ausbildung in Darmstadt besuchen, welche ich im Rahmen meiner vorgeschriebenen Seminartage absolvieren kann.

 

Insgesamt fühle ich mich bestens aufgehoben in der Sektion und der Stadt Tübingen. Auch wenn es mich bald wieder in die Ferne zieht, bin ich auch wieder in Deutschland angekommen. Nachdem die Stolpersteine am Anfang überwunden wurden, freue ich mich auf das kommende halbe Jahr und viele weiter neue Erfahrungen, Begegnungen und Herausforderungen. An dieser Stelle möchte ich mich schon einmal bei all denen bedanken, die mich durch den Anfang begleitet haben und mir dabei geholfen oder es schwer gemacht haben. Dadurch konnte ich viel lernen!

 

Philipp Klausen

 
 
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