Ehrenamt

06.09.2021

Streuobstwiese – ein etwas anderes Portrait

Streuobstwiesen Projekt

Streuobstwiesen

  • sind mit über 5000 Tier- und Pflanzenarten die artenreichsten Lebensräume Deutschlands!
  • hüten eine Genbank mit 3000 verschiedenen Obstsorten
  • bieten im Frühling ein Blütenmeer für Insekten
  • regulieren das Klima
  • bieten Erholung zu allen Jahreszeiten
  • liefern im Herbst eine reiche Ernte an vitaminreichem Obst
  • stellen die Grundlage für natürliche power drinks
  • sind schwäbisches Kulturgut
  • sind alljährlich Treffpunkt bei Kirschblütenfesten/„Schwäbisches Hanami“

 

Baden-Württemberg - das Land der Streuobstwiesen

In Baden-Württemberg liegen die größten zusammenhängenden Streuobstwiesen Europas. Mit 7,1 Mio. Obstbäumen auf ca. 90.000 ha stehen hier 50% der gesamten Bestände Deutschlands. Von Streuobstwiesen wird auch heute noch weit mehr Obst geerntet als von Intensivobstanlagen. Streuobstbestände sind die Wirtschaftsgrundlage von Mostereien und Brennereien und versorgen auch heute noch viele Haushalte mit vitaminreichem Obst und gesundem Saft. Der Streuobstanbau gehört zu unserer Kultur und wurde in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

 

Streuobstwiesen sind in Gefahr!

1965 standen in Baden-Württemberg 18 Mio. Obstbäume, 1990 waren es 11,4 Mio., 2005 noch 9,2 Mio. und 2015 noch 7,1 Mio. Obstbäume. Wenn sich dieser praktisch lineare Rückgang weiter so fortsetzt, dann gibt es in Baden-Württemberg 2050 keine nennenswerten Streuobstbestände mehr. Und der Klimawandel wird diesen Rückgang noch beschleunigen. Bei den Bewirtschaftern gilt die Ü70-Regel: Über 70% der Bewirtschaftenden sind über 70 Jahre alt und meist ist kein/e Nachfolger/in in Sicht. Apfelsaft und -schorle in Supermärkten wird überwiegend aus Konzentrat hergestellt und dieses kommt meist aus China.

 

Streuobstwiesen brauchen Pflege

Bei der seit Jahrhunderten erfolgten Auslese von Sorten spielte vor allem die Fruchtmenge und -qualität die Hauptrolle. Hierdurch ging im Erbgut der Bäume das „Wissen“ um einen stabilen Kronenaufbau verloren. Sie vergreisen ohne Pflege oft schon in den ersten Jahren nach der Pflanzung und sterben nach wenigen Jahren ab. Nur jeder fünfte neu gepflanzte Baum erlebt das fünfte Standjahr!

Die Obstbäume sind daher auf die Pflege des Menschen angewiesen. Obstbaumschnitt dient der Erziehung von Jungbäumen zu einer stabilen Krone, der auch die Fruchtlast von bis zu 1 Tonne im Herbst tragen kann. Der größte Apfelbaum Württembergs um 1900 hatte in guten Jahren 3 Tonnen Äpfel!

Streuobstwiesen Projekt (1)

Aber auch ausgewachsene Bäume brauchen stetige Pflege. Nur besonnte Früchte sind geschmackvoll und vitaminreich. Abgetragenes Fruchtholz muss entfernt werden, zu dichte Kronen befördern Pilzkrankheiten und Astbruch und müssen ausgelichtet werden.

Aber 80% der Streuobstbäume in Baden-Württemberg werden seit Jahrzehnten gar nicht oder nur unregelmäßig gepflegt. Pilzkrankheiten und Schädlinge wie die schmarotzende Mistel breiten sich rasant aus und schwächen die Bäume weiter. Die Kronen sind der Holz- und Fruchtlast nicht gewachsen und brechen auseinander.

 

Was hat das mit dem DAV zu tun?

Der DAV ist nicht nur der größte (Berg-)Sportverein Deutschlands sondern auch der größte Naturschutzverband. Wir nutzen die Natur in den Alpen und hier in der Umgebung für unsere sportlichen Freizeitaktivitäten. Wir tragen mit unseren Ausfahrten erheblich zur Umweltbelastung durch Verkehr bei. Wir versiegeln Boden mit unserem Boulderzentrum B12, verbrauchen Energie und produzieren Abwasser. Aber schützen wir auch? Wir sagen ja und werden aktiv!

 

Sektionsstreuobstwiese und „pure natural power drink“ für das B12

Wie wäre es, wenn der DAV selbst Obstwiesen bewirtschaften würde, daraus einen isotonischen pure natural power drink produzieren und im B12 vermarkten würde?

Streuobstwiesen Projekt (3)

Das wäre ein Beitrag zum Naturschutz, zum Erhalt unserer heimischen Kulturlandschaft und vor allem ein aktives Kompensationsprojekt für die Umweltbelastungen, die mit unseren Bergsportaktivitäten und der Erweiterung des Boulderzentrums B12 verbunden sind. Wir produzieren ein trendiges Getränk, der Absatzmarkt wäre im Hause und das Ganze könnte sich am Ende für die Sektion sogar lohnen. Das Projekt lässt sich hervorragend als Bildungsprojekt in die Jugendarbeit, die Familiengruppe und die AG Bunt integrieren. Und ein Aushängeschild für die Nachhaltigkeitsstrategie der Sektion wäre es allemal, also ein win8 Projekt!

Woher kommt das know how?

Geleitet und betreut wird das Projekt von Prof. Dr. Klaus Schmieder, stellvertretender Naturschutzreferent der Sektion. Er lehrt und forscht an der Universität Hohenheim u.a. auch in Streuobstwiesen. So leitete er die letzten beiden landesweiten Streuobsterhebungen in Baden-Württemberg 2008 und 2018, ein Projekt zu den Lebensraumansprüchen von Wendehals und Grauspecht in Streuobstwiesen und demnächst ein Projekt zu Streuobstwiesen im Klimawandel. Aber auch in der Praxis ist er kompetent, er ist seit 2007 Fachwart für Obst- und Gartenbau, bewirtschaftet mehrere Obstwiesen und –gärten und pflegt jährlich ca. 100 Obstbäume und artenreiche Wiesen.

Streuobstwiesen Projekt (4)

Wir suchen:

  • Streuobstwiesen zur Bewirtschaftung für das Projekt in der Umgebung von Tübingen
  • Aktive Mitwirkende beim Aufbau des Projektes (Design, Werbung) und bei der Bewirtschaftung (Baumpflege, Mähen der Wiesen und bei der Ernte). Fachkenntnisse sind willkommen aber keine Voraussetzung zum Mitmachen!
  • Interessierte an Bildungsprojekten in Streuobstwiesen

Kurzum: Wir bauen in der Sektion eine neue Sparte auf und leisten aktiv Naturschutz!

 

Interessenten bitte melden bei klaus[Punkt]schmieder[Klammeraffe]dav-tuebingen[Punkt]de