Ein Stück Tübingen in den Alpen
Ehrenamtlicher Einsatz zum Saisonstart der Tübinger Hütte
Tübingen, 01. Juli 2025. Inmitten der traumhaften Bergkulisse der Silvretta sorgt die Sektion Tübingen des Deutschen Alpenvereins mit ehrenamtlichem Einsatz dafür, dass die Tübinger Hütte pünktlich zum 1. Juli in die nächste Bergsaison starten kann. Von der aufwendigen Reinigung der Kläranlage bis zur Instandhaltung von Wegen – hinter dem Hüttenerlebnis steckt viel Engagement und harte Arbeit.
Mitten im Herzen der Silvretta steht, eingerahmt von majestätischen Bergen, ein Stück Tübingen. Seit sie im Jahr 1908 von Ehrenamtlichen der heutigen Sektion Tübingen des Deutschen Alpenvereins erbaut wurde, bietet die Tübinger Hütte Bergwanderern eine sichere Unterkunft.
Während sie im Winter teilweise im Schnee versinkt und der Winterraum den wenigen Hochtourengängern offensteht, herrscht hier von Anfang Juli bis Ende September Hochbetrieb. Das Team um Hüttenwirt Tim Härter versorgt nicht nur die Tagesgäste, die den Weg durch das Garneratal zurücklegen, mit Essen und Getränken, sondern zusätzlich bis zu 84 Gäste pro Nacht.
Die Versorgung einer abgelegenen Hütte ist eine logistische Herausforderung. Die Fahrt durch das Garneratal dauert mit dem Auto etwa eine dreiviertel Stunde. Am Ende der Straße steht eine Materialseilbahn, mit der die Verpflegung die letzten 200 Höhenmeter zurücklegt. Personen dürfen damit nicht befördert werden, sie müssen den Weg zu Fuß gehen.
Ehrenamtliches Engagement
Vor Beginn der Saison muss viel vorbereitet werden, damit die Hütte auf die Gäste vorbereitet ist. Mit dabei sind wie jedes Jahr Ehrenamtliche der Sektion Tübingen. Eine der wichtigsten Aufgaben nach dem Winter ist das Reinigen der Kläranlage. Es ist keine Aufgabe, die man gerne macht. Das Abwasser landet nicht, wie in der Stadt üblich, in großen Klärbecken, sondern in einer Filtersackanlage, die Feststoffe und Flüssigkeiten trennt. Während die Flüssigkeiten durch mehrere Becken fließen und dabei soweit gereinigt werden, dass sie in die sensible Bergwelt geleitet werden können, müssen die Filtersäcke von Hand verpackt und ins Tal geschafft werden. Etwa 700 Kilogramm an „Restmasse“ haben die Ehrenamtlichen der Sektion Tübingen dieses Jahr entsorgt.
„Die wenigsten Wanderer setzen sich damit auseinander, was hier oben mit dem Abwasser passiert. Das ist auch gut, weil es zeigt, dass die Anlage funktioniert.“ Erzählt Lukas Kurz, der im DAV Tübingen verantwortlich die Arbeitseinsätze koordiniert. „Die Anlage zu reinigen ist ein Knochenjob. Die Säcke sind schwer, in der Anlage ist es eng, dunkel und stickig. Aber wenn man abends bei einem Bier auf der Terrasse sitzt und den Sonnenuntergang genießt, dann ist das Entschädigung pur“.
Die Ehrenamtlichen übernehmen bei ihren Einsätzen auch kleinere handwerkliche Aufgaben: wie zum Beispiel den Holzboden im Gastraum neu einlassen, damit er noch viele Jahre den Füßen der Wandernden standhält.
Auch Wanderwege müssen gepflegt werden
Eine weitere, genauso wichtige Aufgabe, übernehmen die Wegewarte der Sektion. Im Sommer sind sie regelmäßig mit Hacke und Schaufel, aber auch mit Pinsel und Farbe unterwegs, um die Wege in Schuss zu halten. Damit die Wandernden ihr Ziel sicher erreichen können, bringen die Wegewarte rot‑weiße oder blau‑weiße Markierungen entlang der Wege an. Zusätzlich werden die schwierigen Stellen mit Trittstufen oder Ketten entschärft. „Eine der größten Aufgaben der letzten Jahre war der Weg unterhalb der Plattenspitze. Weil es hier regelmäßig Steinschläge gibt, mussten wir den alten Weg verlegen und im weniger gefährdeten Gebiet neu anlegen,“ erzählt Ralf Maier, der die Einsätze koordiniert.
„Wir betreuen ein Wegenetz von etwa 50 Kilometern Länge. Jeden Weg müssen wir mindestens einmal im Jahr kontrollieren und Beschädigungen reparieren. Das ist aufwendig.“ Und mit einem Lachen fügt er hinzu „Aber es gibt schlimmeres, als in den Bergen unterwegs zu sein und Wege zu reparieren.“
Die Hütte und ihre Wege sind jetzt fit für die Saison 2025 und Hüttenwirt Tim freut sich auf seine Gäste – bei hoffentlich bestem Wetter auf der Sonnenterasse der Tübinger Hütte (www.tuebinger‑huette.de) mit einem wunderbaren Blick über das Garneratal.
Die Sektion Tübingen des Deutschen Alpenvereins
Die im Jahre 1891 gegründete DAV Sektion Tübingen ist mit ca. 14.000 Mitgliedern der größte Verein Tübingens. Die Sektion ist als eigenständiger Verein Teil des Deutschen Alpenvereins (DAV), der den mitgliederstärksten Bergsportverband der Welt darstellt. Neben einem breitgefächerten Touren- und Kursangebot in den Bereichen Wandern, Klettern, Hoch- und Skitouren, Bergsteigen, Mountainbiken und Nordic Aktiv organisiert die Sektion Tübingen regelmäßige Gruppen und Ausfahrten für Jung und Alt. Weiterhin kümmert sich die Sektion um Schutz und Pflege von Natur und Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt der Alpen und der deutschen Mittelgebirge, insbesondere bei der Ausübung des Bergsports und der Unterhaltung von Hütten und Wegen. Darüber hinaus betreut die Sektion mit dem DAV Boulder- und Kletterzentrum B12 die erste Boulderund Kletterhalle in Tübingen sowie die Tübinger Hütte in den österreichischen Alpen. Die über 200 ehrenamtlich engagierten Übungs- und Jugendleiter sorgen für eine sichere und professionelle Durchführung der Aktivitäten.