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Erweiterung des B12 zum Sport- und Vereinszentrum der DAV Sektion Tübingen 

35.000 Eintritte pro Jahr – mit dieser Zahl kalkulierten die Planer der DAV Sektion Tübingen bei der Eröffnung des Boulderzentrums im Jahr 2014, inzwischen ist es als B12 in Boulder- und Kletterkreisen in Tübingen und der weiteren Umgebung bekannt und etabliert. Freizeitsport, Leistungstraining, Schul-AG's, inklusive Angebote und vieles mehr zeigen aktuell, wie intensiv das B12 mit seinen Möglichkeiten zum Bouldern, ergänzt durch einen Seilkletterbereich, von einem breitgefächerten Kreis von Kletterbegeisterten genutzt wird. Das hat mittlerweile zu einer fast dreifachen Zahl an Jahreseintritten geführt.

 

Diese positive und kaum zu erwartende Entwicklung setzte bereits kurz nach Eröffnung ein. Das blieb natürlich den Verantwortlichen in der Sektion nicht verborgen und führte vor drei Jahren zu Gesprächen mit den zuständigen Abteilungen bei der Stadt Tübingen. Dabei konnten zunächst grundsätzlich die Möglichkeiten aufgezeigt werden, das B12 im Bedarfsfall zu erweitern. Allein, die finanziellen Möglichkeiten der Sektion ließen zum damaligen Zeitpunkt eine konkrete Ausplanung und Umsetzung der aufgezeigten Perspektiven für einen Ausbau nicht zu. 

 

B12 Erweiterung

 

Mit dem Verkauf des Haus Matschwitz, im Skigebiet Golm gelegen und als Berggasthaus nicht mehr im strategischen Fokus der Sektion, wurden Chancen für Investitionen geschaffen, die dem Vereinsleben in Tübingen und darüber hinaus neue und in die Zukunft weisende Impulse geben können. Naheliegend daher, die Überlegungen für eine Erweiterung des B12 wieder aufzugreifen und fortzuführen, um der Entwicklung der Besucherzahlen gerecht zu werden.

Aber nicht nur bei den Besucherzahlen im B12 war in den letzten Jahren enormes Wachstum zu verzeichnen. Auch die mittlerweile 13.000 Mitglieder in der Sektion zeigen, dass die breitgefächerten Angebote der Sektion gerne wahrgenommen werden und nachhaltig ankommen. Deshalb war es für den Vorstand erklärtes Ziel, gleichzeitig mit der Erweiterung des B12 ein Zentrum zu schaffen, in dem sich das Vereinsleben in seinen verschiedensten Ausprägungen weiterentwickeln kann und sich alle in der Sektion gerne treffen. 

 

B12 Erweiterung Leitidee

 

Das Startsignal für das Projekt erfolgte im Oktober vergangenen Jahres, nachdem der Verkauf von Haus Matschwitz in trockenen Tüchern war. An Bord geholt wurde mit Katharina Meier eine hauptamtliche Projektassistenz und mit der Projektstruktur (siehe Kasten) wird sichergestellt, dass die Interessen aller Gruppen in der Sektion in die Planungen einfließen und – in so einem breit angelegten Projekt so unvermeidlich wie wichtig – unterschiedliche Interessen diskutiert und ausgeglichen werden können. Nach intensiven Vorarbeiten, vielen tragfähigen Ideen aller Projektbeteiligten und konstruktiven Diskussionen in der Projektgruppe selbst wie auch mit den Beiräten und Aktiven der Sektion liegt jetzt ein Konzept vor, das sehr gute Perspektiven für die Zukunft eröffnet.  

  • Im sportlichen Bereich verdoppelt sich Boulderfläche nahezu und wird ergänzt durch einen  

  • Trainingsbereich, der den Belangen der Leistungssportler gerecht wird, aber auch den Breiten- und Freizeitkletterern neue Möglichkeiten bietet.  

  • Mit einer maßvollen Erweiterung der Seilkletterflächen wird das „Heimtraining“-Angebot speziell für die Alpinen in der Sektion abgerundet.  

  • Und auch für den hoffnungsvollen Bergsport-Nachwuchs gibt es beste Perspektiven: Ein neuer Kinder- und Familienbereich wird sicher große Freude bereiten.  

Bei den Planungen konnten die Betreiber des B12, Manne Aberle und Andi Hartmann, auf ihre große Erfahrung der vergangenen Jahre aufbauen und gemeinsam mit den Trainern der Sektion ein rundes Konzept erarbeiten, wie sie selbst in ihren Antworten zu unseren Fragen erläutern. 

 

B12 Erweiterung Projektstruktur

 

Und für das „sonstige“ nicht weniger intensive Vereinsleben werden ebenfalls im wahrsten Sinn des Wortes neue Räume geschaffen. Nach vielen Alternativ-Überlegungen werden mit einer Aufstockung auf das Bestandsgebäude bedarfsorientiert ausreichend Flächen geschaffen, um auch zukünftigen Anforderungen gerecht werden zu können: Seminarraum, Jugendraum, Vereinstreff, Büroflächen als Ergänzung zur Geschäftsstelle im Zentrum, eine Werkstatt, ein Gymnastikraum, Sanitärräume und nicht zuletzt Lagerräume, alle gut erreichbar und  attraktiv angeordnet – unser Architekt Stephan Häsing konnte mit viel Geduld und noch mehr Hirnschmalz nahezu alle Wünsche, die aus den verschiedenen Gruppen kamen, in den aktuellen Grundrissen (siehe Kasten) abbilden. 

 

B12 Erweiterung Grundrisse 1

 

Gemeinsam mit den Präventionssportgruppen Tübingen (Prävis), die im vorderen Gebäudeteil zu Hause sind, wurde auch eine Erweiterung der Sanitärräume für den Sportbereich vorgesehen und die Eingangssituationen sowohl für die Prävis als auch für die B12-er optimiert. 

 

B12 Erweiterung Grundrisse 2

 

Erste Gespräche im Februar mit dem Planungsamt der Stadt Tübingen zeigten einerseits, dass die Planungen der Sektion so fortgeführt werden können, andererseits aber auch, wo noch weitere Überlegungen zu einer tragfähigen Lösung führen müssen. Dies betrifft beispielsweise die Parksituation. Und nicht zuletzt: Die Vorgaben von Seiten des Vorstandes für den finanziellen Rahmen des Gesamtprojektes erfordern permanente Aufmerksamkeit und fallweise auch Korrekturen in der Planung und Umsetzung. Aber mit den erwarteten und vorab bereits positiv signalisierten Zuschüssen von DAV und WLSB kann der finanzielle Rahmen – inklusive eines Risikovorhalts – eingehalten werden, da ist das Projektteam sehr zuversichtlich.

Dennoch, es gibt noch „ausreichend“ Arbeit für das Team, bevor es letztlich - nach hoffentlich positivem Mitglieder-Beschluss auf der Mitgliederversammlung - in die Umsetzung gehen kann.  

 

Fragen an Manne und Andi, die Betreiber des B12 

 

Ihr leitet das B12 seit seiner Eröffnung im Jahr 2014. Wie hat sich das B12 seither entwickelt? 

 

Die Planungszahlen wurden bereits im ersten Betriebsjahr weit übertroffen. Wir hatten den Eindruck, ganz Tübingen hat auf diese Kletter- und Boulderhalle gewartet. Wir mussten quasi nur die Tür aufmachen und wurden vom Besucheransturm überrannt. Wie stark die Klettercommunity in Tübingen ist und wie groß das Interesse speziell am Bouldern ist, das war in dieser Größenordnung nicht abzusehen. Parallel zum öffentlichen Betrieb haben auch die DAV Jugendarbeit im B12 und die Nachfragen der Schulen stetig zugenommen. In Tübingen haben beispielsweise alle 6 Gymnasien und 2 Grundschulen eine Kletter-AG, die wöchentlich zu uns kommen.  

 

Im B12 kann man gut die Entwicklung des Klettersports in den letzten Jahren nachvollziehen. Sowohl im Breiten- als auch im Leistungssport hat sich unglaublich viel getan. Nicht nur bei uns sind die Besucherzahlen angestiegen. Vor Corona hat praktisch jeden Monat irgendwo in Deutschland eine weitere Boulderhalle aufgemacht.  

 

Was sich im Leistungsbereich getan hat, kann man in unserem Jugendleistungskader sehen. In unserem Gorilla Leistungskader trainieren gleich mehrere Jugendliche, die auch am Fels im 10. Grad unterwegs sind - das wäre vor 10 Jahren nicht denkbar gewesen und ist eindeutig den besseren Trainingsmöglichkeiten vor Ort zu verdanken. 

 

Wo lagen die besonderen Herausforderungen in den vergangenen Jahren? 

 

Die besondere Herausforderung in der Betriebsführung des B12 besteht darin, das Miteinander der verschiedenen Nutzergruppen so gut wie möglich zu gestalten. Der Platz war über die Jahre einfach immer knapp. Das erfordert viel Rücksichtnahme und Verständnis von allen. Wir Betriebsführer haben dabei oft die Rolle von Mediatoren, die sowohl die Interessen des öffentlichen Betriebs als auch der Vereinsgruppen im Blick haben müssen.  

 

So mussten wir einige Kompromisse eingehen. Letztendlich haben wir uns dafür eingesetzt, den Sportbetrieb und die Vereinsinteressen zu präferieren. Das geht teilweise zu Lasten von Kinder- und Familienangeboten. So haben wir die Anzahl der Kindergeburtstage deutlich reduziert und keinen speziellen Kinderbereich ausweisen können, da die Wandfläche ohnehin schon knapp war. Dafür haben Wettkämpfe schon von Beginn an eine große Rolle bei uns gespielt und den Trainings- und Leistungsgruppen werden tendenziell mehr Privilegien eingeräumt. 

 

Wo seht ihr aktuell, im Jahr 2021, eure Schwerpunkte für das B12? Und wo sind Entwicklungsfelder? 

 

Eine Boulderhalle zu führen bedeutet immer „am Ball“ oder besser gesagt „am Griff“ zu bleiben. Wir stehen im engen Kontakt mit Kollegen, besuchen oft andere Boulder- und Seilkletterhallen und versuchen mit den Entwicklungen in einem sich rasch verändernden Sport mitzugehen. Das bedeutet, dass man die Konzepte stetig weiterentwickeln und anpassen muss. Wie in jeder Sportart kommen viele Impulse aus dem Leistungs- und Wettkampfbereich, so wie die Verwendung von großen Volumen im Routenbau, oder eben auch Trends im Trainingsbereich. Unsere parallele Trainertätigkeit im Verein ist hierbei sehr hilfreich! 

 

Wer die Entwicklung der Sportart beobachtet, wird schnell feststellen, dass es sich weder um ein Tübinger noch um ein nationales Phänomen handelt, sondern um eine globale und nachhaltige Bewegung, die durch die Bereitstellung von urbanen Klettermöglichkeiten ihren Anfang genommen hat. Faszinierend ist, wie viele Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, inzwischen zum Beispiel in Asien oder Südamerika mit dem Klettern beginnen.  

 

Die Olympischen Spiele, bei denen zum ersten Mal auch ein Kletterkombinationswettkampf in den Disziplinen Bouldern, Lead und Speed durchgeführt wird (sofern sie letztendlich wirklich stattfinden können), werden dem Klettern sicherlich nochmal einen Schub geben. Bisher ist der Klettersport, speziell das Wettkampfklettern, in den Medien und der Öffentlichkeit noch nicht besonders präsent. Das kann sich durch Olympia sicherlich ändern. 

 

Unsere Begeisterung für die Wettkämpfe soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir vor allem die Vielfalt, die unsere Besucher repräsentieren, spannend finden. Von der Kinder- bis zur Seniorengruppe, von der inklusiven Gruppe zum Leistungskader, von den alpinen ambitionierten Seilkletterern bis zu den „Hardcore Boulderern“ – im B12 lebt die Diversität

     

Ihr seid im Kernteam, das die B12-Erweiterung plant, und da vor allem für die Gestaltung des Sportbereiches zuständig. Was sind die Kernpunkte, die bei der Erweiterung speziell für den Sportbetrieb wichtig und eigentlich unabdingbar sind? 

 

Wir haben das große Glück, dass wir ausgehend von einer inzwischen sechsjährigen Erfahrung in der Leitung einer Boulderhalle jetzt den nächsten Schritt, die Erweiterung, mitplanen können. Unser Fokus bei der Erweiterung ist ganz klar darauf gerichtet, was uns bisher „abgeht“, was fehlt! Das alles auszuführen würde Seiten sprengen, aber dennoch kurz die wichtigsten Aspekte zusammengefasst: 

 

  • Mehr Kletterfläche sowohl im Boulder- als auch im Seilkletterbereich.  
    Hier geht es vor allem um die Realisierung von Wandneigungen und Strukturen, die bisher fehlen. 

  • Ein eigener Bereich für Kindergruppen und Familien.  
    Dieser Bereich soll eine spannende Kinderbewegungslandschaft beinhalten und auch den Kindergruppen mehr Möglichkeiten für ein altersgerechtes Training bieten. 

  • Die Schaffung eines neuen, großen Trainingsbereichs.  
    Das Interesse an gezieltem Training für das Klettern und für die Erhaltung der Gesundheit ist auch im breitensportlichen Bereich extrem gestiegen. 

  • Wir möchten auch weiterhin attraktive Wettkämpfe im B12 veranstalten. Deshalb müssen wir die Wettkampfeignung des B12 deutlich verbessern! 

 

Wenn es uns gelingt, mit der Erweiterung des B12 diese Punkte zu realisieren (und davon sind wir natürlich überzeugt), dann sind wir wirklich gut aufgestellt für die Zukunft!  

 
 
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