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Klettern in den Vogesen 9.- 11. Mai 2013

2 + 2 macht 4: 2 Sportkletterfreaks und 2 Nachwuchskletterer starten in die Felssaison 

 

Der Start in die Klettersaison 2013 war wahrlich beschwerlich. Dank schlechtem Wetter und einigen weiteren Problemen hatten wir es Anfang Mai noch kein einziges Mal über den rauen bzw. abgeschmierten Kalkstein der Alb hinausgeschafft.  

 

Aber dann ging auf einmal Alles ganz schnell. Montag Abend hatte ich immer noch niemand gefunden, der am vor der Tür stehenden Himmelfahrtswochenende mit mir auf Tour geht. Dann hab ich endlich Achim gefragt und schon hatte ich meinen Kletterpartner. Da es in den Alpen noch recht ungemütlich sein sollte, hatten wir uns auch schnell auf die Vogesen geeinigt (griffiger roter Sandstein mit vielen vielen Haken) und am nächsten Tag hatten wir mit Florian und Sebastian unser kleines aber feines Grüppchen zusammen. Nur den Kletterführer, der am Montag noch in der Geschäftstelle rumlag, hatte sich in der Zwischenzeit Edith geschnappt, wie ich später herausfinden sollte. Aber da in Frankreich an Christi Himmelfahrt die Geschäfte offen haben sollten, war das ja kein Problem.

 

So fuhren wir also los und kamen auch ohne Probleme bis zum Rhein, der von Sebastian dann erstmal für die Donau gehalten wurde („Nein, Vogesen ist kein Ort im Donautal!“) und dann weiter zum nächsten Decathlon, der dann aber entgegen unserer Erwartungen zu hatte. Egal, Kletterführer sind nur was für Anfänger, wir fuhren also weiter zum Campingplatz in Niederbronn-les-bains wo wir sehr freundlich in gutem Deutsch begrüßt wurden und uns gleich nach anderen Kletterern auf dem Platz informierten. Diese drückten uns dann auf der Frage nach einem Kletterführer einen solchen in die Hand („Könnt ihr behalten, wir haben noch nen Zweiten.“) 

 

Klettern in den Vogesen Wir konnten also loslegen und machten uns gleich auf an den Wachtfels, der neben einer superleichten 6a+ (7-) und einer völlig unschaffbaren 5c (6) einige nette Routen und einen unfreundlichen Kletterer zu bieten hatte, der mir meine eine Route im toprope genauso wenig gönnen wollte, wie Sebastian die Möglichkeit, mich einmal vom Standplatz aus nachzusichern. Als er sich dann mit meinen drei Kollegen am Standplatz zusammenquetschte und meinte: „Ich nehm mich mal kurz aus dem Stand, bitte nicht schubsen“, da konnten wir uns nur mit Mühe zurückhalten. Am Abend machten Sebastian und ich dann noch die längste Tour des Felsens mit drei Seillängen, die oben in einem großen Felstorbogen endete, durch den mir die Abendsonne die letzten orangegoldenen Strahlten entgegenschickte. Ein wirklich toller Anblick und Begeisterung bei Sebastian über seine erste „Mehrseillängenroute“. Abends gab es dann im Dunkeln zeitsparend Nudeln mit zweierlei Pesto und Käse.  

 

Am nächsten Morgen wurden wir erwartungsgemäß vom Bäcker geweckt, der direkt vor unserm Zelt seinen Wagen aufgestellt hatte. Auch heute war das Wetter wieder besser als vorhergesagt, sprich es war trocken, so dass wir schnell wieder an den Fels sind, diesmal zur Ruine Waldeck. Da hatte ich vom letzten Jahr noch ein paar Rechnungen offen, die es heute zu begleichen galt. Zum Warmmachen hab ich Achim erstmal über nen fiesen Überhang geschickt: „Die müsste gehen, komm steig du vor“ (keine Ahnung warum er sich da drauf eingelassen hat). Im Anschluss ging es dann eine nicht ganz so steile 6a+ hoch, die Max, Janosch und ich aus dem letzten Jahr noch in guter Erinnerung haben (siehe Zusammenfassung 2012). Mit schwungvollen Zügen, einem Schulterklemmer und einem gut gesetztem Keil war dann nur noch das Dornengestrüpp am Standplatz ein echtes Hindernis, das Achim erst bemerkte, als er die Dornen im Gesicht hatte. Auf der Rückseite der Ruine wartete dann das schwierigkeitstechnische Highlight der Tour: Ein schöner langer vielseitiger Riss in 6b (7). Für Flo und Sebastian gab es eine lange Trainingseinheit „Hand- und Fingerklemmer, Fist- und Face jam, für Achim ein nur mittelmäßiges Vergnügen („Ich mag keine Risse“) während ich die Route gleich zweimal hoch geturnt bin und mich nur durch den blutigen Handrücken von einem dritten Versuch abbringen lies. Das Abendessen (Nudeln mit Pesto) wurde diesmal durch regionales Bier aufgewertet.

 

Trotzt der kulinarischen Aufwertung des Abendessens hatten wir am nächsten Morgen mit beginnendem Muskelkater zu kämpfen. Für heute war der letzte Klettertag geplant und da die Vorhersage für den Nachmittag nicht so toll war, bauten wir geschwind unser Zelt ab und machten uns mit ein paar Kopien, die wir vom geliehenen Führer gezogen hatten, auf den Weg zum Langenfels. Hier war ordentlich Betrieb durch einige Pfälzer, die im französischen Bohrhakenparadies „wilderten“. Achim schickte ich mal wieder in eine 6a+ die oben dann tatsächlich genauso abartig war, wie sie von unten ausgesehen hatte. Damit war nebendran für mich eine schöne Genuss-6a+ frei, die dann auch mit Muskelkater kein Problem war. Mit meiner letzten Kraft zog ich dann noch Sebastian hinter mir hoch auf den imposanten Felspfeiler mit guter Aussicht in alle Himmelsrichtungen, auf die Burg Fleckenstein und auf die Unwetterwolken im Hintergrund. Wir genossen die Aussicht und machten einige schöne Gipfelfotos, bis plötzlich alles schwarz war um uns herum und der herabstürzende Starkregen uns innerhalb weniger Sekunden bis auf die Haut durchnässt hatte. Wir beschlossen dann, es für heute gut sein zu lassen und nach Hause zu fahren, bevor noch jemand erfriert. In Lembach genossen wir im „Le grin bääm“ noch gutbürgerliche elsässische Küche (ein bisschen Kultur muss sein) und auf dem Rückweg gönnten wir uns auf großes Drängen meinerseits eine Fahrt auf der Mini-Rheinfähre und komplettierten damit das Kulturprogramm.  

 

Das Fazit dieser Ausfahrt: Wir haben mal wieder der Wettervorhersage getrotzt und wurden dafür belohnt. Achim und ich haben unsere erste gemeinsame Tour gemacht (auf dass viele Weitere folgen mögen) und konnten uns auf unserem Kletterniveau richtig austoben. Sebastian und Florian haben ganz viel Felserfahrung gesammelt und sich als gute Sicherungs- und Nachstiegspartner bewiesen. Die Vogesen haben sich als mein Lieblingssportklettergebiet etabliert und sind für jeden sehr zu empfehlen, der sich in gut abgesicherten Routen in einer 6a (6+, meistens aber bissl überbewertet) wohl fühlt.

 

Daniel Zuger

 
 
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