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Natur und Umwelt

Naturkundliche Wandertour im Feldberggebiet - Okt. 2016

Treffpunkt war am Samstag, den 01.10.2016 um 10:00 Uhr an der Klosterschiere in Oberried, 5 km von Kirchzarten entfernt, sozusagen im Heimatrevier von Michael Anstett. Es ist davon auszugehen, dass Michael rund um den Feldberg und im Südschwarzwald jeden Weg und jeden Auerhahn persönlich kennt. Mehr davon später.

So trafen sich bei leichten Nieselregen 14 gut gelaunte und an Flora und Fauna interessierte Wanderer der DAV Sektionen Tübingen und Böblingen. Verantwortlich für die Tour waren Dipl.-Biologe und Feldberg-Ranger Michael Anstett und die Tübinger Naturschutzreferentin Sabine Gottwald.

 

Nach herzlicher Begrüßung ging es beherzt los. Nach einer halben Stunde gaben leider die Schuhe einer Teilnehmerin den Geist bzw. die Naht und Sohle auf und sie musste zurück zum Auto. Mit Hilfe des Bürgermeisters, der sie zum Schuhgeschäft fuhr und später Richtung Feldberg, Nähe der Baldenweger Hütte, trafen wir sie nachmittags wieder und sie konnte glücklich bestückt mit nagel-neuen Wanderschuhen die Tour gemeinsam mit uns fortsetzen. So einen engagierten Bürgermeister, der so sympathisch Werbung für seinen schönen Flecken macht, kann sich jeder Ort nur wünschen.

 

Von Oberried aus durch das Zastlertal führten uns serpentinenschmale Felspfade steil bergan, vorbei an verblühten Heidelbeer- und Himbeersträuchern. Es begann ein langer Aufstieg mit gesamt 1200 hm und einer Tageswegstrecke von 16 km. Wie es sich für eine naturkundliche Wanderung gehört, lauschten wir alle aufmerksam Michaels anschaulich erklärten Erläuterungen. Spannend ging es los mit der Solitärbiene, von der wir noch nie etwas gehört hatten. Diese fleißigen Solitärbienen bohren  kleine, gut sichtbare Löcher in das Erdreich, legen dort ein Ei ab, bedecken dieses mit Pollen, legen dann wieder ein Ei ab und so fort. Weiter ging es zum Scheibenfelsen, wo wir eine zugige Rast machten und die tolle Aussicht genossen.

 

Endlich hoch auf den Schwarzwaldhöhen angekommen, sahen wir noch verblühten gelben Enzian (wird bis zu 1,20 groß, aus den armdicken Wurzeln wird Schnaps gebrannt; 350 kg werden für 12 Liter benötigt) und Arnika, eine Heilpflanze.

 

Was mich persönlich im Südschwarzwald besonders fasziniert, sind die verschiedenen Grüntöne der Buchen, des Ur-Bergahorn, Tannen (tolle Tanne=Zweige stehen gerade, Zapfen bleibt auf dem Zweig stehen) und Fichten (faule Fichten = Zweige hängen, Zapfen fällt ab) und vereinzelt angepflanzte US-Importe, Douglasien. Dazwischen gepflegte Schwarzwaldhöfe und mit Rindern beweidete Grünflächen wie Mosaike soweit das Auge reicht. Es ist eine aus ehemaligen Urwäldern entstandene Bilderbuchlandschaft mit einer reichhaltigen Tier- und Pflanzenwelt.

 

Bei guter Sicht vom Feldbergmassiv bestehend aus Feldberg, Seebuck und Baldenweger Buck bietet sich eine grandiose 360 ° Fernsicht bis in die Oberrheinische Tiefebene, dem dunklen Kamm der Vogesen oder Richtung Schauinsland und Freiburg mit Dreisamtal.

 

Gegen Abend erreichten wir unsere gemütliche Unterkunft, das Naturfreundehaus Feldberg. Jeder bezog sein Bett und anschließend wurden wir köstlich mit Kässpätzle, Fleisch vom Grill, frischen Salaten und Wacholder-Quark, alles in Bio-Qualität, verwöhnt. Das war unsere Belohnung für den langen und interessanten, aber auch windigen und regenreichen Tag. Auf der Zufahrt vor der Hütte befanden sich abends viele stattliche Spring-Frösche die dort auf dem vom Tage noch erwärmten Asphalt saßen. Hübsche Kerlchen auf jeden Fall oder gar Prinzen? Egal, gut’ Nacht!

 

Am nächsten Morgen nach einem allseits viel gerühmten Frühstück sagten wir noch den stoischen Eseln hinter der Hütte „guten Morgen“. Es war recht kühl, Mütze und Handschuhe waren angesagt und es ging nun steil bergan Richtung Feldberggipfel. Beim Blick auf das  Zastler Loch kann man sich sehr gut vorstellen, wie hoch die oft unterschätzte Lawinengefahr im Schwarzwald ist. Durch die häufig sehr starken Winde bis zu 260 km/h entstehen Schneeverwehungen und unberechenbare Schneewechten und fordern jedes Jahr leider auf tragische Weise Todesopfer.

 

Auf dem Feldberggipfel mit 1.493 angekommen, ist es sehr windig und nieselig. Dort oben befand sich bis vor kurzem eine im Schichtdienst betriebene Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes und ein Niederschlagsradar, das den Regen und Schnee im Umkreis von 200 km messen kann.

Leicht durchgefroren setzten wir unsere Tour weiter westlich fort Richtung Hüttenwasen, unterwegs großartige Ausblicke in den Napf und durch das liebliche St. Wilhelmer Tal wieder zurück Richtung Oberried bzw. Kirchzarten. Es wurde immer milder und am Nachmittag hatten wir die schönste Herbstsonne.

Wir kosteten den Bärwurz, besser bekannt als Maggi-Kraut und untersuchten Spinnlöcher im Boden. Wir staunten über die winzigen Pilztropfen am Holz und analysierten den trockenen Boden im Buchenwald. Sehr viel Neues erfuhren wir über Bannwälder. Michael ist ausgewiesener Experte für die Altersbestimmung von Bäumen. Bei einem Experiment zeigte er uns, wie man mittels Gewinde-Bohrung das Alter eines Baumes bestimmen kann. Er bohrte in den Kern einer Fichte ein Loch und zog dann die Sonde heraus, auf der die einzelnen, gut erkennbaren Jahresringe des Baumes lagen (von mir vereinfacht ausgedrückt). Ein herrlicher Duft von frischen Sägespänen zog durch unsere Nasen als wir die Jahresringe zählten. Besonders beeindruckend war auch der Methusalem, ein etwa 400 Jahre alter, etwa 20 m hoher Ur-Bergahorn auf dem bereits Fichten und Farne wachsen. Er hat einen imposanten dicken moosbewachsenen Stamm, dessen Rinde sich wie eine Hautschicht ständig abstößt und erneuert.

 

Weiter erfuhren wir viel über Wegenetze und Naturschutz (besonders die Reviere der Auerhähne müssen geschützt werden), über Wander-Philosophie und wie man dieser im Sinne von Naturschutz entgegenwirkt, indem wir Wanderer bewusst mit Pfeilen, Stegen und Markierungen durch diese sensible Landschaft gelenkt werden.

Wir sahen den Kot des Auerhahns (schwarz-lila gefärbt durch die Heidelbeeren) jedoch keine der sehr scheuen Tiere, obwohl wir nah ihres Revieres wanderten. Auerhahn- und Huhn gehören zu den imposantesten Waldvögeln Europas mit bis zu 1 m Länge und können während der Balz dank ihres Hormonhaushaltes sehr aggressiv reagieren und Menschen attackieren. Der Uhu ist sein natürlicher Feind und attackiert wiederum junge Auerhähne.

 

Es bleibt mir nicht genug Platz und Zeit um alles aufzuzählen was wir gesehen, erlebt und erfahren haben. Ganz herzlichen Dank im Namen aller Teilnehmer für diese ganz besondere “DAV-naturkundliche Wanderung“ mit Michael Anstett und der überaus engagierten Organisation durch Sabine Gottwald. Persönlich hoffe ich auf noch viele Touren mit beiden in dieser Form,

weiter so, bitte, Alle!

 

Claudia Caro

 

aufwärts Feldbergtour Feldbergtour




 

Feldbergtour Feldbergtour Feldbergtour





 

Feldbergtour Feldbergtour Feldbergtour




 

Feldbergtour Feldbergtour Feldberg





 

Feldbergtour Feldbergtour Feldbergtour



 

 

 

Info-Box

Wo

Feldberggebiet

Talort

Oberried/Kirchzarten

Anreise

Über die A81 Richtung Singen, in Bad Dürrheim auf die B64, in Hüpfingen auf die B31 bis Kirchzarten/Oberried

Wegverlauf/Etappen

1. Tag ab Oberried durch das Zastlertal über Hinterwaldkopf und Rinken zum Naturfreundehaus Feldberg (16 km, 1200 hm auf, 400 hm ab)

 

2. Tag vom Naturfreundehaus Feldberg, vorbei an Zastler Hütte zum Feldberggipfel, Hüttenwasen, Napf, St.Wilhelm und mit dem Bus zurück nach Oberried

(16 km, 400 hm auf, 1200 hm ab)

Hütten

Naturfreundehaus Feldberg

http://www.naturfreundehaus-feldberg.de/

Telefon + 49 7676/336

info@naturfreundehaus-feldberg.de

Anforderungen

Technik *, Kondition **

Karten/Führer

LVA BW Wanderkarte "Hochschwarzwald Feldberg-Schluchsee"

Hinweis

wenig begangene Pfade durch den Bannwald

 
 
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