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Wenig gesehen – viel gelernt!

Skitourenbasiskurs 2016 bei der Spitzmeilenhütte

Alle wichtigen Fragen (neben Ausrüstung und erste Theoriehinführung)  sind geklärt: Der Kurs findet statt, er findet woanders statt, wir haben Schnee, das Parkhaus ist hoch genug für die VW Busse und in der Hütte kann es frisch werden.

 

Am Freitag um 11:30 Uhr sind wir alle da, wo wir sein sollen: am Tannenbodenlift im Skigebiet Flumserberg, um nach der Gondelfahrt zum Maschgenkamm mit Abfahrt nach Panüöl ca. 2,5 Std. zur Spitzmeilenhütte zu laufen.  Die Bedingungen sind mäßig und werden im Verlauf des Tages mäßiger. Hätten wir da schon gewusst, dass dies der schönste der drei Tage ist, an dem zumindestens mal die Umrisse des einen oder anderen Gipfels zu sehen sind, wären wir vielleicht doch öfters mal stehen geblieben (oder gleich umgekehrt?).

 

Nach einer kurzen Einrichtungs- und Aufwärmphase in der Hütte, die wunderschön gelegen ist und von zwei sehr netten Hüttenwartinnen betrieben wird, geht es wieder raus. LVS-Geräte werden verbuddelt und gesucht. Ein beißend kalter Wind haut uns alle um, und in schneller Abfolge üben wir die wichtigsten Dinge: Geräte auf Suchen, annähern („Gerät muss näher an den Boden! Noch näher! Bücken!!!!“), Fundstelle markieren, sondieren, buddeln. Die Fachübungsleiter korrigieren in forschem Ton, der aber nur dazu dient, uns vor Erfrierungen zu schützen und schnell wieder in die beheizte Hütte zu bringen. Am Abend folgt dann die Tourenplanung, die allen sichtlich Spaß macht. Der Umgang mit Karte, Lawinenbericht  (wir hatten die ganze Zeit erhebliche Lawinengefahr), Wetter, Checkpoints, 3x3, Kompass, Snowcard, Lupe extraleicht, Planzeiger wird erklärt und angewandt. In verschiedenen Gruppen wird die Route auf den Wissmilen mit allem, was es zu beachten gilt, für den nächsten Tag geplant.

 

Samstagmorgen um 8:45 Uhr formieren sich eine schnellere und eine langsamere Gruppe. Sicht ist nicht vorhanden, dafür ist der Wind nur mäßig und der Schneefall seit den Nachtstunden und während des Tages sehr beständig. Die Frage der Orientierung und die Einschätzung des Geländes werden zu den Hauptthemen. Ohne sporadischen Kontrollblick aufs GPS geht’s nicht und wer vorne geht, spürt, dass er spüren muss, denn nur der nächste Schritt zeigt, ob es rauf oder runter geht. Tatsächlich schaffen wir es nicht auf den Gipfel, wir beschließen bei einem der Checkpoints abzufellen. Kaum zu glauben, aber genau im Moment der Abfahrt reißt es das einzige Mal auf und wir fahren, wenn auch nur sehr kurz, mit Sonne durch herrlichen Pulverschnee. Da die Tour den Bedingungen geschuldet nicht lang war, hatten wir unterwegs viel Zeit, um Spitzkehren in vielerlei Varianten zu üben, Hangsteilheit zu messen und an der Hütte nochmals eine Suchaktion durchzuführen.

 

Am Nachmittag machten wir uns dann auf in Richtung Schönegg. Aber auch hier gab es zu viele Unsicherheitsfaktoren, um die Tour ganz zu Ende zu bringen. Immerhin waren wir trotz der Bedingungen ganz schön lange draußen und konnten die Hüttenatmosphäre und das gute Essen ohne schlechtes Gewissen genießen. Gestärkt und guter Dinge wurde die Abschlusstour zum Erdisgulmen geplant. Keiner von uns dachte einen Moment darüber nach, dass das Wetter noch schlechter werden könnte, denn das schien uns fast unmöglich. Doch am nächsten Morgen wurden wir eines besseren belehrt: Sturmböen, lausige Kälte und Schneetreiben sowie nullkommanull Sicht ließen uns die Planung umwerfen. Es gab keine Checkpunkte mehr, sondern lediglich das Ziel Tannenbodenalp. So machten wir uns in zwei Gruppen auf den Weg, und die erste Aufgabe war, bei den heftigen Windböen nicht aus der Spur zu kippen und die Stangen, die den Weg zur Hütte markieren, zu orten.

 

Vor allem die Aussage eines versierten Teilnehmers, dass wir froh sein können, wenn wir heil unten ankommen, trieb das Adrenalin in die Höhe. Als dann auch noch Stefan aus der ersten Gruppe für die zweite Gruppe einen Lawinenabgang signalisierte, war die Hektik groß. Niemandem war zunächst so richtig klar gewesen, dass es eine Übung ist und als Konrad merkte, dass wir möglicherweise tatsächlich die 112 anrufen wollten, beeilte er sich, uns den Übungscharakter klar zu machen. Tolle Idee von der ersten Gruppe, bei diesen Bedingungen noch Schikanen einzubauen: alle Geräte auf Suchen, Sonde und Schaufel raus, den Kollegen ausfragen und beruhigen, Schnee im Rucksack ohne Ende, alles wurscht – Hauptsache durch. Der erste Verschüttete war schnell gefunden, beim zweiten brauchten wir Ewigkeiten, ein sauberes Signal war fast nicht zu kriegen. Wir machten uns vollkommen verschneit und verfroren auf in Richtung Alp Fursch, wo die anderen schon gemütlich beim heißen Tee saßen. Aber nicht mit uns: Bevor sie starten konnten, hatten wir für sie auch noch etwas versteckt. Rache ist süß.

 

Irgendwie hat die vage Idee, dass wir bald ankommen, alle etwas übermütig gestimmt und diese Stimmung hielt bis zum Anstieg über die Piste auf den Maschgenkamm. Es wurde steil und steiler, eine Spitzkehre nach der anderen war erforderlich, der Wind nahm weiter zu, die Sicht ab… einem  Fell ging die Haftung abhanden, es galt Schritt für Schritt vorwärtszukommen. Es wurde still und stiller, nur noch Signalrufe ertönten. „Alles okay, bist du hinter mir?“ „Kicken…Kicken“. Oben angekommen war es dann wie im stürmischen Milchglas und nur durch die Orientierungsrufe von Konrad war überhaupt eine Richtung zu orten. Alle oben - puh.

 

Im Miniwindschatten der geschlossenen Liftstation machten wir uns ans Abfellen, Tee trinken und Riegel essen. Erste Maßnahme dabei war aufzupassen, sich nicht die Finger abzufrieren. Kein Lift lief, kein Mensch zu sehen. Nirwana.

Die ersten Meter der Abfahrt waren steil bei null Sicht, eine verblasene harte Piste, auf der wir alle nur quer rutschen konnten. Langsam wurde es besser, die Piste wurde weicher und es machte sogar Spaß, im Blindflug durch den pulvrigen Schnee zu cruisen.

Irgendwann hatte sie uns dann wieder, die Zivilisation, erste Skifahrer auf der tiefer gelegenen Piste zeigten an, dass es geschafft ist.

 

Wir kamen heil an, haben viel gelernt, auch wenn die Bedingungen eine gewisse Flexibilität erforderten. Unsere beiden Fachübungsleiter Olli und Konrad haben einen tollen Job gemacht und die wertvollen Tipps von Erich waren spitze. Unsere Gruppe hat zusammengehalten, gemeinsam die Komfortzone verlassen und in gegenseitigem Vertrauen die Panikzone nicht betreten oder leicht gestreift - was will man mehr!?

Wer mal schauen will, wie es auf dem Maschgenkamm aussah, am Sonntag, der klicke hier, scrolle auf den 17.01. und achte auf die Fahnen ab der 23. Sekunde.

Bettina Wehinger-Roth

 

Gebiet

Glarner Alpen, Ostschweiz

Talort

Flums

Anreise

ÖV: Bahnhof Flums
Auto bis Bahnhof Flums, dann Postbus oder bis Tannenbodenalp (kostenpflichtige Tiefgarage).
Einzelfahrt Maschgenkamm.

Gipfelmöglichkeiten

Spitzmeilen, Wissmilen, Magerrain, Erdisgulmen, Rainissalts.
Möglichkeiten für Durchquerungen nach Engi, Vermol/Sargans

Hütte

Spitzmeilenhütte
http://www.spitzmeilenhuette.ch
Telefon Hütte:  +41 81 733 22 32,  Handy:  +41 79 600 58 11
info@spitzmeilenhuette.ch
Die Hütte ist im Winter am Wochenende bewartet, während der Woche ist der Winterraum offen

Karten/Führer

Skitourenkarte Schweiz 1:50000 237S Walenstadt
Landeskarte Schweiz 1:25000 1154 Spitzmeilen
SAC Skitourenführer Glarus - St. Gallen - Appenzell
Rother Skitourenführer Ostschweiz

 
 
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